Diese Texte stammen noch aus unserer Moorbad-Zeit
Ganz in schwarz vor Bremens Haustür ( Zeitungstext 2008 )
"Na, nun aber einsteigen!“, versucht die Moorfrau mein Zögern abzukürzen. Baden wie die Großeltern hatte ich gelesen und stehe nun vor einer Wanne, randvoll mit schwarzbrauner Masse.
Ich nehme meinen Mut zusammen und versuche mich langsam in den sehr warmen Brei zu setzen. Mit Mühe erreiche ich mit dem Hinterteil den Wannenboden. Es ist nicht so warm wie befürchtet, 3 Zentner Moor sind aber dicker als gedacht. Nach einigen Minuten schwebe ich bei leicht angezogenen Beinen sehr bequem in Blenhorster NaturMoor. "Immer von unten Moor mit den Händen auf die Schulten packen", hat Gerstin Buchholz empfohlen "das löst die Verspannungen im Schulter-Nackenbereich und weicht die verhärtete Muskulatur auf“. Die Moorfrau umsorgt schon seit vielen Jahren die Kur- und Wellnessgäste in dem kleinen privaten Moorbad. Damit keine Langeweile während der 20 Minuten in aufkommt soll ich die kleinen Moorklumpen, mit den Pflanzen- und Wurzelresten zerdrücken.
Freundlicherweise hat Moorbadchef Dietrich Lehmann mit allen "SchnupperWellnessgästen“ nach dem fruchtigen Begrüßungsgetränk eine Führung durch den Badebetrieb gemacht. Wir sind mit 7 Damen und 2 Herren, einige haben diesen Tag als Gutschein vom Partner oder den Kindern geschenkt bekommen. Da hätte mein Man für meinen Geburtstag schon mal das passende Geschenk. "Wir haben keine Geheimnisse“, reist mich der kräftige Physiotherapeut und Hotelier aus meinen Tagträumen und geht mit uns hinter das Badehaus. Dort sehen wir die 3 Quellhäuser in denen schwefelhaltiges Salzwasser aus den Tiefen eines Salzstockes das Moor durchströmt hat. Torfmoor und Quellwasser werden in einem großen Rührwerk angemaischt und dann in eine der fast 100 fahrbaren Moorwannen gefüllt. Mit großen Wärmetauschern erwärmt der Moormeister je nach Gesundheitszustand des Patienten den Badebrei. Durch Luken schiebt der Moorfachmann, genau nach Plan, die nummerierten Wannen in die sechs Baderäume. Trotz dieser Erklärungen behalte ich vor dem ersten Bad ein mulmiges Gefühl ...
Desinfiziert werden muss das Moor nicht, lese ich später in der kleinen Moorbad Blenhorst Broschüre von Dr. Dr. Peter Schneider aus Hoya. Die Säuren und antibiotischen Stoffe im Boden halten es nahezu keimfrei.
Die ersten Badekabinen hat hier nahe Nienburg/Weser der Kreisarzt bereits um 1842 errichten lassen. Damals hatte ein Schäfer einen übel riechenden Tümpel mit dem Heilwasser gefunden und seine eigenen Zipperlein darin während des Sommers erfolgreich behandelt. Seit dieser Zeit kommen Patienten aus Nah und fern um im Blenhorster Naturmoor Linderung und Heilung zu bekommen.
Nach 20 Minuten ist mein erstes Moorbad beendet. Langsam aussteigen und möglichst viel von der Masse am Körper abstreichen. Der Rest wird mit einem warmen Brausestrahl von Frau Buchholz entfernt, bevor ich in das gefüllte Reinigungsbad steigen kann. Hier versuche ich die menschlichen Problemzonen vom Moor zu befreien. Meine Haut nimmt während der Zeit Schwefel-Sole-Quellwasser auf, bevor ich wie eine Mumie in Lacken und Decken zum schwitzen eingepackt werde. Während der nächsten 45 Minuten verarbeitet mein Körper die aufgesaugten moorigen Inhaltsstoffe. "Zur Massage bitte“, werde ich von einer freundlichen Therapeutinnenstimme geweckt. Gut durchblutet, fast weichgekocht komme ich mir unter den Händen der Fachfrau vor. Nach einem kleinen Mittagsimbiss folgt eine Tiefenwärmebehandlung um den Eiweißstoffwechsel zu aktivieren. Gelenke strecken, drehen und dehnen das geht bei mir jetzt am Nachmittag besser als am Morgen. Besonders im herrlich 33 Grad warmen Bewegungsbad. Wir kommen wieder beschließen auch die anderen Schnuppergäste an diesem Freitag im "kleinsten Moorbad Blenhorst“. Beim nächsten Mal organisiere ich ein Wellnesswochenende für unseren Kegelclub. Vielleicht nehmen wir auch unsere Männer mit, mal sehen was meine Freundinnen dazu meinen.
Von einem Kurgast aus Bad Blenhorst
erhalten wir nachstehende Zeilen:
Das alte liebe Bad Blenhorst ist, nach dem es im Kriege als Offiziers- Gefangenenlager verwendet worden war, wie ich mich persönlich überzeugen konnte, seit 6 Jahren wieder in vollem Betriebe.
Der rührige Kurhaus-Besitzer, Herr Fr. Stünkel, hat es verstanden, in dieser kurzen Zeit den ganzen Betrieb, sei es im Logierhaus, Badehaus oder in dem wunderschön angelegten Park, auf´s schönste einzurichten. Es wird für viele Gicht-, Rheumatismus-, Ischias- und ähnliche Leidende, die sich eine weite und kostspielige Reise und Badekur nicht erlauben können, bei nunmehrigen Beginn der Badesaison ein willkommener Hinweis sein.
Ich habe verschiedentlich in Wildbad und Wiesbaden die Bäder benutzt, bin aber erst durch den einmaligen Besuch von Blenhorst von meinem Rheumatismus gänzlich befreit. Schon nach dem 3. Solbade spürte ich die ausgezeichnete Wirkung, konnte nach 16 Bädern Blenhorst als gänzlich geheilt verlassen und bin seitdem von dem elenden Rheumatismus befreit. Moorbäder brauchte ich nicht einmal anwenden.
Blenhorst ist sehr bequem mit der Bahn Nienburg - Sulingen zu erreichen. Das Postauto fährt vom Bahnhof Nienburg - Blenhorst bis vor das Kurhaus.
Es liegt ganz idyllisch von Wald und Heide umgeben, in ruhiger angenehmer Lage. Unterkunft sind preiswert und gut.
Ich kann Bad Blenhorst nur bestens empfehlen.
O.P.
Hannover, anno 1932
Schwefel-, Sool- und Schlammbad
B l e n h o r s t bei Nienburg a. d. W. ( Text warscheinlich von 1912 )
Etwa 12 km nordwestlich von Nienburg /W entfernt, liegt in einer Senkung des Geestlandes umgeben von Wiesen und etwas Gehölz, das kleine Dorf Blenhorst, dessen Name wohl kaum über die allernächste Umgebung hinaus bekannt geworden sein würde, wenn nicht zufällig der Salzgehalt zweier in der Nähe des jetzigen sog. Bohrthurmes belegener Brunnen, von denen der eine außerdem nicht unbedeutende Mengen von Schwefelwasserstoff enthält, die Aufmerksamkeit der Landleute auf sich gezogen hätte.
... dadurch ein fast angenehm zu nennender Wert, auch die Trübung bleibt vollständig aus. (Das vor 7 Monaten mit Kohlensäure imprägnierte Wasser ist heute noch völlig klar.) In größeren Dosen genommen, wirkt das Wasser, wie schon erwähnt, gelind abführend, und eignet es sich wegen seines hohen Gehaltes an Kochsalz und Eisen vor allen Dingen bei atonischen Schwächezuständen des Magendarmcanales, wie solche ja bei Personen, die an Rheumatismus, Gicht, Lähmungen und dergleichen leiden, häufig beobachtet werden. Ob die Quelle auch bei Bleichsucht und Zuständen von Blutarmuth mit Vorteil zu gebrauchen, ist vorläufig mit Bestimmtheit nicht zu sagen, da desfallsige Versuche noch ausstehn, wohl aber fordert der hohe Eisengehalt zu solchen auf. Jedenfalls ist die Ansicht, dass bei hhem Salzgehalt das Eisen unberücksichtigt bleiben müsse, nicht mehr aufrecht zu erhalten, vindicirt doch einer unserer bekanntesten balneologischen Schriftsteller (S. Valtiner Balneologie II. Auflage S. 168) dem Kochsalzgehalte der Eisenwässer sogar einen großen Anteil an der Wirkung. Derselbe sagt: Gerade die Wirkungen des Chlornatriums (Kochsalzes) auf die Ernährung sind überdies denen des Eisens nicht unähnlich, und sehr wichtig dürften hier auch die neuen Versuche Woronichins sein, nach deren Resultaten das in den Körper eingeführte Eisen für sich allein vielleicht gar nicht resorbiert wird, sondern nur mit Hilfe des Chlornatriums, welches nicht bloß die Resorption, sondern auch die Assimilation des Eisens, wie nachgewiesen wurde, befördert.
Eine Verdünnung mit Süßwasser oder einem Kohlensäure haltigen Wasser würde allerdings nöthig sein, wenn man es bei Chlorose oder Zuständen von Blutarmuth gegen will, ein Verfahren, welches übrigens an anderen Orten ebenfalls gehandhabt wird.
Der Schwerpunkt der Bedeutung des Bades liegt unstreitig in seinen Moorbädern. Mag man über die Art ihrer Wirksamkeit auch streiten, so ist die Heilkraft gerade dieser Bäder doch wohl am meisten über allen Zweifel erhaben. Was kann die Moorbäder mehr empfehlen, als die Thatsache, das ihre Anwendung sich jetzt auf einen Zeitraum von 1700 Jahren erstreckt. Marienbad, Franzensbad, Freienwalde, Eilsen, Nenndorf u.s.w. sind gleichsam Wallfahrtsorte für die leidende Menschheit geworden, aus denen sich alljährlich hunderte von Leidenden Gesundheit und neuen Lebensmuth holen. Leider ist es aber nicht jedem Bedürftigen vergönnt, der Wohlfahrt dieser Bäder theilhaftig zu werden. Die weite Entfernung und vor allen Dingen der Geldpunkt sind leider nur zu oft ein unüberwindliches Hinderniß.
Um so mehr ist es beachtenswerth, wenn der leidenden und weniger bemittelten Klasse eine Stätte sich darbietet, wo sie ohne große Kosten und bei leidlichem Comfort ihre zerrüttete Gesundheit wieder aufbessern kann.
Als einen solchen Ort kann man mit Recht Blenhorst bezeichnen. Ein stilles, friedliches Plätzchen, abgeschieden von dem geräuschvollen Getriebe der Welt, so recht zum Still-Leben geschaffen, nicht für diejenigen, die Zerstreuung und Vergnügen in den Bädern suchen, wohl aber für die Leidenden, denen Ruhe Bedürfnis ist, und die ihre Häuslichkeit lediglich aus dem Grunde verlassen, um Heilung von ihren Leiden zu suchen. Es ist also nur eine bescheidene Stelle, die unser kleiner Gesundbrunnen in der Reihe der vielen Bäder einnehmen will. Auf Naturschönheiten oder die Freuden einer Großstadt muß der Besuchende verzichten; ein trauliches Plätzchen, eine gute Bewirthung und heilkräftige Bäder , das ist alles, was wir zu bieten vermögen.
Als Badearzt fungirt der Herr Kreisphysikus Dr. Picht aus Nienburg, der während der Saison mindestens zweimal wöchentlich in Blenhorst zu sprechen, im Uebrigen zu jeder Auskunft über die Wirkung des Bades bereit ist. Die Eröffnung des Bades findet meist, wenn nicht Witterungsverhältnisse solches verbieten, am 1. Juni statt. Ein bestimmter Schlusstermin ist niemals inne gehalten, es ist diesbezüglich stets die denkbar größte Rücksicht auf die Wünsche des Publikums genommen.
Fund im Moor 28.10.1032
Blenhorster. Fund.
Außerordentlich interessante Funde machte der Besitzer des hiesigen Bades bei der Hebung der Schlammassen für die Moorbäder. Tag für Tag wurden die schwefelhaltigen Moormengen neben der Hasenbeke, da, wo die Schwefelquellen sind, geholt. Bei dem Abgraben stieß man auf einen Baumstamm, der auf Veranlassung von Herrn Stünkel dann nach und nach vorsichtig bloß gelegt wurde. Er erwies sich dann in der Folge als ein ausgehöhlter Eichenbaum, dessen Ränder aber von der Zeit stark benagt sind. Immerhin ist das schöne Stück noch unleugbar als Einbaum zu erkennen, dessen nähere Zugehörigkeit, wie bereits mitgeteilt ist, demnächst bestimmt werden soll. Nicht genug damit, stieß man beim Weitergraben auf aufrecht stehende Pfähle, die in früheren Zeiten allem Anschein nach hier eingetrieben worden sind und vielleicht einen Pfahlrost bildeten. Es sind nur noch die unteren Teile erhalten, die deutlich erkennen lassen, dass sie vor ihrem Eintreiben angespitzt worden sind. Sie stehen in einer bestimmten Ordnung. Gelegentlich der Mooraushebungen wurde auch ein stattlicher Knochen gefunden, der leider verloren gegangen ist. Allem Anschein nach handelt es sich um einen Schulterknochen.